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Ernährung
Leider
werden auch zur heutigen Zeit noch viele Landschildkröten
falsch ernährt, was dazu führt, dass sie erkranken
und nur wenige Jahre alt werden...
Mediterrane
Landschildkröten sind Pflanzenfresser!
Um
Ihnen zu verdeutlichen, warum unsere Pfleglinge nur
pflanzlich ernährt werden dürfen, möchte
ich Ihnen zuerst ein paar Informationen geben.
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Abb.
1+2: Vergleichende Darstellung der Verdauungstrakte
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Wie
man auf der obigen Abbildung erkennen kann, unterscheidet
sich der Verdauungstrakt von Pflanzenfressern und Fleischfressern
deutlich. Karnivoren (Fleischfresser) besitzen einen
langen Dünndarm und einen kurzen Blind- und Dickdarm.
Bei den Herbivoren (Pflanzenfressern), also auch unseren
Landschildkröten, ist der Dünndarm verkürzt
und der Blind- und Dickdarm verlängert.
Der
Grund für diesen Unterschied wird deutlich, wenn
wir uns den natürlichen Lebensraum unserer Landschildkröten
einmal anschauen.

Abb. 3: Das Futterangebot
ist im Sommer sehr spärlich
©
Foto: Uwe
Geissel
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Abb. 4: Testudo
hermanni hermanni im Habitat auf Mallorca
©
Foto: Uwe
Geissel
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Dieser
ist mit einer nur spärlichen Vegetation überzogen,
die in den Sommermonaten fast vollständig ausgedürrt
ist. Lediglich im Frühjahr und Herbst sprießt
frisches Grün hervor und die Wiesen bieten einige
Blühpflanzen für die Schildkröten. Mediterrane
Landschildkröten kommen ausschließlich in
diesen kargen und außerdem sehr kalksteinhaltigen
Gebieten vor und sind dementsprechend auch an karges
Futter angepasst. Das optimale Futter wächst demzufolge
auf einer kargen, kalksteinhaltigen Wiese - nämlich
Wildkräuter und Gräser!

Abb.
5: Abläufe im Verdauungstrakt einer Landschildkröte.
Nachdem
das Futter über das Maul aufgenommen wurde, wird
es mit Hilfe der Zunge weiterbefördert und gelangt
über die Speiseröhre in den Magen (1).
Im Magen angekommen, wird es mechanisch durch die muskulöse
Magenwand zerkleinert. Durch die Salzsäure und
ein eiweißabbauendes Enzym, Pepsin genannt, wird
der Nahrungsbrei chemisch aufgespalten. Im Dünndarm
(2) angekommen, wird es durch Bauchspeichel und
den darin enthaltenen Enzymen weiter aufgespalten. Außerdem
wird die alkalische Flüssigkeit neutralisiert,
damit die Enzyme nicht an Wirksamkeit verlieren. Nebenbei
fördert Gallensekret die Verdauung und Aufnahme
von Fetten. Der Dünndarm ist hauptsächlich
für tierische Proteine zuständig, weshalb
er bei Landschildkröten, die sich nur pflanzlich
ernähren, relativ kurz ausgeprägt ist. Im
Blind- und Dickdarm (3) wird die pflanzliche
Nahrung durch Mikroorganismen (Bakterien und Einzeller)
verdaut und verwertet, weshalb dieser auch relativ lang
ist. Über den Enddarm (4) und
die Kloake werden schließlich die Exkremente ausgeschieden.
Im
natürlichen Lebensraum ernähren sich die Tiere
von den verschiedensten Pflanzen, die i. d. R. auch
bei uns in Deutschland zu finden sind - nämlich
von Wildkräutern und Gräsern aller Art.
Auswahl-Kriterien für Futterpflanzen
- die
Pflanzen dürfen nicht giftig oder gedüngt
sein
- sie
dürfen nicht vom Straßenrand gepflückt
werden
- sie
sollten möglichst proteinarm, kalorienarm,
kohlenhydratarm sein
- sie
sollten aber viele Ballaststoffe, Vitamine, Mineralien
und Kalzium enthalten
- das
Verhältnis von Kalzium und Phosphor sollte
mind. 2:1 betragen (Kalzium muss also überwiegen!)
- füttern
Sie abwechslungsreich, also nicht immer die gleichen
Pflanzen
Hier
einige geeignete Futterpflanzen:
Aloe,
Brennnessel, Große, Bärenlauch, Mariendistel,
echter Eibisch, Gänseblümchen, Gänsefingerkraut,
gemeiner Frauenmantel, Himbeerblätter, Weissklee,
große Klette, Klettenlabkraut, echtes Lungenkraut,
Löwenzahn, wilde Malve, gemeine Nachtkerze, Schafgarbe,
Stiefmütterchen, Taubnessel, Vogelmiere, Breitwegerich,
Spitzwegerich, gewöhnliche Wegwarte, schmalblättriges
Weidenröschen u. v. m. (siehe Futterpflanzen!)
http://www.schildifutter.de
- weitere und ausführlichere Futterpflanzentipps
http://www.samenkiste.de
- Samenmischungen für's Freigehege
Häufige Fehler bei der Fütterung von Frischfutter
- es
werden bevorzugt proteinreiche, kalorienreiche und
kohlenhydratreiche Pflanzen wie Klee, Löwenzahn,
Malven etc. verfüttert.
- die
Pflanzen sind zu kalziumarm. Am besten den Boden
im Freigehege regelmäßig mit Kalksteinbruch
oder Dolomitkalk aufkalken. Kein Brandkalk verwenden
- ätzend!!!!
- das
Frischfutter wird im Terrarium zu häufig/lange
angeboten (Futtermenge - siehe weiter unten)
- es
werden junge Pflanzen bevorzugt. Diese enthalten
aber zu wenig Ballaststoffe bzw. Rohfasern und zu
viel Eiweiß.
Beifutter
für mediterrane Landschildkröten

Abb.
8: Selbsgemachtes Heu bevorzugen die meisten Tiere |

Abb.
9: Trocknung einiger Löwenzahnbüschel
im Gerätehaus
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Heu
(aus Gräsern und Kräutern)
ist ein wichtiger Bestandteil einer artgerechten Ernährung,
denn dieses steht den Tieren im Biotop immer und überall
zur Verfügung, sodass sie davon täglich
etwas aufnehmen. Es ist sehr rohfaserreich und daher
wichtig für die Verdauung - es "reinigt"
den Verdauungstrakt auf natürliche Weise und
hält einen potenziellen Parasitenbefall in Grenzen.
Weil
diese getrockneten Gräser und Kräuter so wichtig
sind, trocknen wir diese ab dem Frühling selber.
Dazu pflücken wir die ausgesuchten Pflanzen und
breiten sie an einem trockenen und warmen, bis heißen
Platz aus (in unserem Fall ist dieser Platz ein kleines
Gerätehaus). Nach ein paar Tagen ist alles durchgetrocknet
und lagerfertig. Die Aufbewahrung findet in einem Kopfkissenbezug
statt, da es sehr wichtig ist, dass es stets trocken
bleibt. Nur so ist gewährleistet, dass sich kein
Schimmel bildet - in einem geschlossenen Behältnis
würde es sehr schnell schimmeln.
Häufige Fehler
bei der Fütterung von Heu/Agrobs
- es
wird trocken angeboten und quillt beim Verzehr im
Magen der Schildkröte auf und entzieht diesem
Flüssigkeit.
- es
wird im feuchten Zustand zu lange (über 12
Std.) angeboten, sodass es anfängt zu schimmeln.
- Schlüpflingen
wird zu grobes Heu oder Agrobs PRE ALPIN Testudo
angeboten, was allerdings zu große und harte
Stücke enthält. Für Schlüpflinge
bitte Agrobs PRE ALPIN Testudo Fibre verwenden.
- Heu/Agrobs
wird luftdicht gelagert und es können sich
somit schneller Schimmelsporen bilden.
Wie
oft und wie viel soll man die Tiere füttern?
Hier
gibt es oft die meisten Schwierigkeiten, denn mediterrane
Landschildkröten kommen mit ca. 1/8 der Nahrungsmenge
aus, die ein Säugetier benötigt. Dementsprechend
darf man seine Schildkröten nicht überfüttern,
was leider viele Halter unbewusst tun. Die Folge von
zu guter Fütterung ist in erster Linie ein viel
zu schnelles Wachstum sowie Knochen- und
Organprobleme, die folgend das Tier (oft dauerhaft)
schädigen.
Wir
füttern unsere Tiere wie folgt und konnten damit
ein langsames, natürliches Wachstum feststellen:
Täglich frisch und ganztags zur Verfügung:
Wiesenheu oder Agrobs
Jeden zweiten Tag über zwei Portionen verteilt
(morgens und nachmittags): Frische Wildkräuter
Die Größe einer Portion kommt natürlich
auf die Menge der Tiere an - als Faustregel gilt jedoch,
dass die Tiere soviel bekommen sollten, wie sie innerhalb
von 10 Minuten fressen können. Da gibt es natürlich
auch einige "Schlingmäuler" und "Wegrämpler",
die schneller und vor allem mehr fressen als anderen
Tiere - solche "Schnellschlucker" sollte
man dann lieber extra füttern :-)
Auch Wasser muss immer und überall
angeboten werden!

Abb.
13: Wasserschalen sollten täglich gereinigt
werden
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Abb.
14: Auch ein "Vollbad" ist ab und an
ganz beliebt :)
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Als
Trink- und Badestelle eigen sich Blumenuntersetzer oder
spezielle und optisch schönere Schalen.
Was
tun in den Übergangszeiten Herbst & Frühling?
Im
Frühling und Herbst ist es gar nicht so einfach
noch frische Wildkräuter zu finden. In dieser Zeit
kann man auch mal auf gewisse Salatsorten zurückgreifen.
Aber auch hier gilt: Nicht immer ein und die selbe Sorte
verfüttern, sondern Abwechslung reinbringen!
- Romonasalat/Römersalat
(ist wegen des guten Kalzium-Phosphor-Verhältnisses
am besten geeignet)
- Endiviensalat
- Catalogna
(Riesenlöwenzahn)
- Feldsalat
- Pflücksalat
- Rucola
Nahrungsergänzung
Den
einzigen Zusatz den Landschildkröten in menschlicher
Obhut brauchen ist Calcium!
Im
natürlichen Lebensraum nehmen die Tiere allein
schon über die Pflanzen viel mehr Calcium zu sich,
da diese durch die kalkhaltigen Böden viel kalziumreicher
sind als bei uns. Desweiteren sind dort überall
Schneckenhäuser und kleine Kalksteinchen zu finden,
welche die Schildkröten aufnehmen. Außerdem
knabbern sie ab und an auch an Wildtierknochen.

Abb.
15: An Sepiaschalen nutzen sich auch die Hornschneiden
ab
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Abb.
16: Sepiaschalen sollten weiß (ohne Überzug)
angeboten werden
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In
Menschenobhut müssen wir den Tieren somit auch
zusätzlich Calcium anbieten, damit die Tiere
einen gesunden und stabilen Knochen- und Panzerbau
bilden können. Der beste Calciumlieferant sind
Sepiaschalen. Diese sind die Rückenschulpe
von Tintenfischen und enthalten über 40 % Calcium.
Sie werden den Tieren zur freien Aufnahme angeboten.
Schildkröten nehmen von alleine soviel auf, wie
sie benötigen - keinesfalls über das
Futter streuen, denn bei einer Überdosierung
wird das Kalzium aus den Knochen ausgelagert!
Alternativ zu Sepiaschalen, kann man den Tieren auch
zerkleinerte, abgekochte Eierschalen oder Calcio-Reptin
anbieten.
Absolut
ungeeignete Nahrungsmittel
Es
gibt natürlich auch ungesundes und schädliches
Futter, was auf keinen Fall verfüttert werden sollte.
In vielen miserablen Büchern ist heute noch davon
zu lesen, dass man gerade Obst verfüttern darf,
was jedoch völliger Unsinn ist. Hier ist es wie
mit der Schokolade bei Kindern - sie ziehen es auch
lieber gesundem Gemüse vor und Schildkröten
ziehen leckeres Obst oder Pellets logischerweise auch
dem frischen Grün vor, was nicht automatisch heißt,
dass es auch gesund ist!
- Fertigfutter,
Futtersticks, Pellets
enthalten zu viel Eiweiß, was zu einem
viel zu schnelles Wachstum führt und Organ-
und Skeletschäden mit sich zieht.
- Getreideprodukte
zerstören die gesunde Darmflora, was einen
Parasitenbefall begünstigt und die Verwertung
stört.
- Milchprodukte
zerstören
die gesunde Darmflora, was einen Parasitenbefall
begünstigt und die Verwertung stört.
- Obst
zerstören
die gesunde Darmflora, was einen Parasitenbefall
begünstigt und die Verwertung stört.
- Fleischprodukte
führen durch die tierischen Eiweiße
zu einem explosionsartigen Wachstum, was irreperable
Folgen hat.
- Vitaminpräparate
sind bei der richtigen
Ernährung nicht nur überflüssig,
sondern können genauso Schäden anrichten,
wie ein Mangel.
- Gemüse
(die meisten Sorten)
zerstören
die gesunde Darmflora, was einen Parasitenbefall
begünstigt und die Verwertung stört.
Literatur
C. Dennert (2001): Ernährung von Landschildkröten,
ISBN 3-931587-53-5
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