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Stand: 07.08.2009

Ernährung

Leider werden auch zur heutigen Zeit noch viele Landschildkröten falsch ernährt, was dazu führt, dass sie erkranken und nur wenige Jahre alt werden...

Mediterrane Landschildkröten sind Pflanzenfresser!

Um Ihnen zu verdeutlichen, warum unsere Pfleglinge nur pflanzlich ernährt werden dürfen, möchte ich Ihnen zuerst ein paar Informationen geben.

Verdauungstrakte im Vergleich.

Abb. 1+2: Vergleichende Darstellung der Verdauungstrakte

Wie man auf der obigen Abbildung erkennen kann, unterscheidet sich der Verdauungstrakt von Pflanzenfressern und Fleischfressern deutlich. Karnivoren (Fleischfresser) besitzen einen langen Dünndarm und einen kurzen Blind- und Dickdarm. Bei den Herbivoren (Pflanzenfressern), also auch unseren Landschildkröten, ist der Dünndarm verkürzt und der Blind- und Dickdarm verlängert.

Der Grund für diesen Unterschied wird deutlich, wenn wir uns den natürlichen Lebensraum unserer Landschildkröten einmal anschauen.

Testudo hermanni hermanni
Abb. 3: Das Futterangebot ist im Sommer sehr spärlich
© Foto: Uwe Geissel
Testudo hermanni hermanni
Abb. 4: Testudo hermanni hermanni im Habitat auf Mallorca
© Foto: Uwe Geissel

Dieser ist mit einer nur spärlichen Vegetation überzogen, die in den Sommermonaten fast vollständig ausgedürrt ist. Lediglich im Frühjahr und Herbst sprießt frisches Grün hervor und die Wiesen bieten einige Blühpflanzen für die Schildkröten. Mediterrane Landschildkröten kommen ausschließlich in diesen kargen und außerdem sehr kalksteinhaltigen Gebieten vor und sind dementsprechend auch an karges Futter angepasst. Das optimale Futter wächst demzufolge auf einer kargen, kalksteinhaltigen Wiese - nämlich Wildkräuter und Gräser!

Abläufe im Verdauungstrakt einer Landschildkröte.
Abb. 5: Abläufe im Verdauungstrakt einer Landschildkröte.

Nachdem das Futter über das Maul aufgenommen wurde, wird es mit Hilfe der Zunge weiterbefördert und gelangt über die Speiseröhre in den Magen (1). Im Magen angekommen, wird es mechanisch durch die muskulöse Magenwand zerkleinert. Durch die Salzsäure und ein eiweißabbauendes Enzym, Pepsin genannt, wird der Nahrungsbrei chemisch aufgespalten. Im Dünndarm (2) angekommen, wird es durch Bauchspeichel und den darin enthaltenen Enzymen weiter aufgespalten. Außerdem wird die alkalische Flüssigkeit neutralisiert, damit die Enzyme nicht an Wirksamkeit verlieren. Nebenbei fördert Gallensekret die Verdauung und Aufnahme von Fetten. Der Dünndarm ist hauptsächlich für tierische Proteine zuständig, weshalb er bei Landschildkröten, die sich nur pflanzlich ernähren, relativ kurz ausgeprägt ist. Im Blind- und Dickdarm (3) wird die pflanzliche Nahrung durch Mikroorganismen (Bakterien und Einzeller) verdaut und verwertet, weshalb dieser auch relativ lang ist. Über den Enddarm (4) und die Kloake werden schließlich die Exkremente ausgeschieden.

Testudo hermanni boettgeri
Abb. 6: Ein naturnahes Freilandgehege bietet genügend Nahrung
Habitat mediterraner Landschildkröten
Abb. 7: Im Habitat sind verschiedenste Pflanzen vorhanden

Hauptfutter für mediterrane Landschildkröten

Im natürlichen Lebensraum ernähren sich die Tiere von den verschiedensten Pflanzen, die i. d. R. auch bei uns in Deutschland zu finden sind - nämlich von Wildkräutern und Gräsern aller Art.

Auswahl-Kriterien für Futterpflanzen

  • die Pflanzen dürfen nicht giftig oder gedüngt sein
  • sie dürfen nicht vom Straßenrand gepflückt werden
  • sie sollten möglichst proteinarm, kalorienarm, kohlenhydratarm sein
  • sie sollten aber viele Ballaststoffe, Vitamine, Mineralien und Kalzium enthalten
  • das Verhältnis von Kalzium und Phosphor sollte mind. 2:1 betragen (Kalzium muss also überwiegen!)
  • füttern Sie abwechslungsreich, also nicht immer die gleichen Pflanzen

Hier einige geeignete Futterpflanzen:
Aloe, Brennnessel, Große, Bärenlauch, Mariendistel, echter Eibisch, Gänseblümchen, Gänsefingerkraut, gemeiner Frauenmantel, Himbeerblätter, Weissklee, große Klette, Klettenlabkraut, echtes Lungenkraut, Löwenzahn, wilde Malve, gemeine Nachtkerze, Schafgarbe, Stiefmütterchen, Taubnessel, Vogelmiere, Breitwegerich, Spitzwegerich, gewöhnliche Wegwarte, schmalblättriges Weidenröschen u. v. m. (siehe Futterpflanzen!)

http://www.schildifutter.de - weitere und ausführlichere Futterpflanzentipps

http://www.samenkiste.de - Samenmischungen für's Freigehege

Häufige Fehler bei der Fütterung von Frischfutter

  • es werden bevorzugt proteinreiche, kalorienreiche und kohlenhydratreiche Pflanzen wie Klee, Löwenzahn, Malven etc. verfüttert.
  • die Pflanzen sind zu kalziumarm. Am besten den Boden im Freigehege regelmäßig mit Kalksteinbruch oder Dolomitkalk aufkalken. Kein Brandkalk verwenden - ätzend!!!!
  • das Frischfutter wird im Terrarium zu häufig/lange angeboten (Futtermenge - siehe weiter unten)
  • es werden junge Pflanzen bevorzugt. Diese enthalten aber zu wenig Ballaststoffe bzw. Rohfasern und zu viel Eiweiß.
Beifutter für mediterrane Landschildkröten

Kräuterheu
Abb. 8: Selbsgemachtes Heu bevorzugen die meisten Tiere
Trocknung einiger Löwenzahnbüschel
Abb. 9: Trocknung einiger Löwenzahnbüschel im Gerätehaus

Heu (aus Gräsern und Kräutern) ist ein wichtiger Bestandteil einer artgerechten Ernährung, denn dieses steht den Tieren im Biotop immer und überall zur Verfügung, sodass sie davon täglich etwas aufnehmen. Es ist sehr rohfaserreich und daher wichtig für die Verdauung - es "reinigt" den Verdauungstrakt auf natürliche Weise und hält einen potenziellen Parasitenbefall in Grenzen.

Weil diese getrockneten Gräser und Kräuter so wichtig sind, trocknen wir diese ab dem Frühling selber. Dazu pflücken wir die ausgesuchten Pflanzen und breiten sie an einem trockenen und warmen, bis heißen Platz aus (in unserem Fall ist dieser Platz ein kleines Gerätehaus). Nach ein paar Tagen ist alles durchgetrocknet und lagerfertig. Die Aufbewahrung findet in einem Kopfkissenbezug statt, da es sehr wichtig ist, dass es stets trocken bleibt. Nur so ist gewährleistet, dass sich kein Schimmel bildet - in einem geschlossenen Behältnis würde es sehr schnell schimmeln.

Abb. 10, 11 & 12: Landschildkrötenfutter der Firma AGROBS hat sich in der Schildkrötenhaltung sehr gut bewährt.
© Fotos: AGROBS.de

Wer selber keine Kräuter und Gräser trocknen kann/will, hat alternativ die Möglichkeit auf Heupellets der Firma AGROBS (nur diese sind geeignet!) zurückzugreifen. Diese Heupellets bestehen (wie der Name schon sagt) nur aus Wiesenheu, aus dem Alpenvorland. Bestellmöglichkeit: http://www.agrobs.de

Häufige Fehler bei der Fütterung von Heu/Agrobs

  • es wird trocken angeboten und quillt beim Verzehr im Magen der Schildkröte auf und entzieht diesem Flüssigkeit.
  • es wird im feuchten Zustand zu lange (über 12 Std.) angeboten, sodass es anfängt zu schimmeln.
  • Schlüpflingen wird zu grobes Heu oder Agrobs PRE ALPIN Testudo angeboten, was allerdings zu große und harte Stücke enthält. Für Schlüpflinge bitte Agrobs PRE ALPIN Testudo Fibre verwenden.
  • Heu/Agrobs wird luftdicht gelagert und es können sich somit schneller Schimmelsporen bilden.

Wie oft und wie viel soll man die Tiere füttern?

Hier gibt es oft die meisten Schwierigkeiten, denn mediterrane Landschildkröten kommen mit ca. 1/8 der Nahrungsmenge aus, die ein Säugetier benötigt. Dementsprechend darf man seine Schildkröten nicht überfüttern, was leider viele Halter unbewusst tun. Die Folge von zu guter Fütterung ist in erster Linie ein viel zu schnelles Wachstum sowie Knochen- und Organprobleme, die folgend das Tier (oft dauerhaft) schädigen.

Wir füttern unsere Tiere wie folgt und konnten damit ein langsames, natürliches Wachstum feststellen:
Täglich frisch und ganztags zur Verfügung: Wiesenheu oder Agrobs
Jeden zweiten Tag über zwei Portionen verteilt (morgens und nachmittags): Frische Wildkräuter
Die Größe einer Portion kommt natürlich auf die Menge der Tiere an - als Faustregel gilt jedoch, dass die Tiere soviel bekommen sollten, wie sie innerhalb von 10 Minuten fressen können. Da gibt es natürlich auch einige "Schlingmäuler" und "Wegrämpler", die schneller und vor allem mehr fressen als anderen Tiere - solche "Schnellschlucker" sollte man dann lieber extra füttern :-)

Auch Wasser muss immer und überall angeboten werden!

Wasserschale
Abb. 13: Wasserschalen sollten täglich gereinigt werden
Schildkröten-Bad
Abb. 14: Auch ein "Vollbad" ist ab und an ganz beliebt :)

Als Trink- und Badestelle eigen sich Blumenuntersetzer oder spezielle und optisch schönere Schalen.

Was tun in den Übergangszeiten Herbst & Frühling?

Im Frühling und Herbst ist es gar nicht so einfach noch frische Wildkräuter zu finden. In dieser Zeit kann man auch mal auf gewisse Salatsorten zurückgreifen. Aber auch hier gilt: Nicht immer ein und die selbe Sorte verfüttern, sondern Abwechslung reinbringen!


Endiviensalat

Romanasalat


Rucola

  • Romonasalat/Römersalat (ist wegen des guten Kalzium-Phosphor-Verhältnisses am besten geeignet)
  • Endiviensalat
  • Catalogna (Riesenlöwenzahn)
  • Feldsalat
  • Pflücksalat
  • Rucola

Nahrungsergänzung

Den einzigen Zusatz den Landschildkröten in menschlicher Obhut brauchen ist Calcium!

Im natürlichen Lebensraum nehmen die Tiere allein schon über die Pflanzen viel mehr Calcium zu sich, da diese durch die kalkhaltigen Böden viel kalziumreicher sind als bei uns. Desweiteren sind dort überall Schneckenhäuser und kleine Kalksteinchen zu finden, welche die Schildkröten aufnehmen. Außerdem knabbern sie ab und an auch an Wildtierknochen.

Calciumlieferant
Abb. 15: An Sepiaschalen nutzen sich auch die Hornschneiden ab
Sepiaschalen
Abb. 16: Sepiaschalen sollten weiß (ohne Überzug) angeboten werden

In Menschenobhut müssen wir den Tieren somit auch zusätzlich Calcium anbieten, damit die Tiere einen gesunden und stabilen Knochen- und Panzerbau bilden können. Der beste Calciumlieferant sind Sepiaschalen. Diese sind die Rückenschulpe von Tintenfischen und enthalten über 40 % Calcium. Sie werden den Tieren zur freien Aufnahme angeboten. Schildkröten nehmen von alleine soviel auf, wie sie benötigen - keinesfalls über das Futter streuen, denn bei einer Überdosierung wird das Kalzium aus den Knochen ausgelagert!
Alternativ zu Sepiaschalen, kann man den Tieren auch zerkleinerte, abgekochte Eierschalen oder Calcio-Reptin anbieten.

Absolut ungeeignete Nahrungsmittel

Es gibt natürlich auch ungesundes und schädliches Futter, was auf keinen Fall verfüttert werden sollte. In vielen miserablen Büchern ist heute noch davon zu lesen, dass man gerade Obst verfüttern darf, was jedoch völliger Unsinn ist. Hier ist es wie mit der Schokolade bei Kindern - sie ziehen es auch lieber gesundem Gemüse vor und Schildkröten ziehen leckeres Obst oder Pellets logischerweise auch dem frischen Grün vor, was nicht automatisch heißt, dass es auch gesund ist!


Fleischprodukte

Futtersticks/-pellets


Obst

  • Fertigfutter, Futtersticks, Pellets
    enthalten zu viel Eiweiß, was zu einem viel zu schnelles Wachstum führt und Organ- und Skeletschäden mit sich zieht.
  • Getreideprodukte
    zerstören die gesunde Darmflora, was einen Parasitenbefall begünstigt und die Verwertung stört.
  • Milchprodukte
    zerstören die gesunde Darmflora, was einen Parasitenbefall begünstigt und die Verwertung stört.
  • Obst
    zerstören die gesunde Darmflora, was einen Parasitenbefall begünstigt und die Verwertung stört.
  • Fleischprodukte
    führen durch die tierischen Eiweiße zu einem explosionsartigen Wachstum, was irreperable Folgen hat.
  • Vitaminpräparate
    sind bei der richtigen Ernährung nicht nur überflüssig, sondern können genauso Schäden anrichten, wie ein Mangel.
  • Gemüse (die meisten Sorten)
    zerstören die gesunde Darmflora, was einen Parasitenbefall begünstigt und die Verwertung stört.

Literatur
C. Dennert (2001): Ernährung von Landschildkröten, ISBN 3-931587-53-5



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