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Freigehege für Landschildkröten

Bei der Errichtung und Gestaltung der Freilandanlage für europäische  Landschildkröten muss der natürliche Lebensraum stets als Vorbild dienen!

Informationen zur Unterbringung von Jungtieren finden Sie unter dem Menüpunkt Aufzucht von Landschildkröten.

Größe und Platzierung

Für zwei ausgewachsene Tiere empfiehlt sich eine Größe von mind. 20m². Da eine Zuchtgruppe immer aus mehr Weibchen als Männchen bestehen muss, ist das optimale Verhältnis 1 Männchen : 3 Weibchen. Hier wäre eine Mindestgröße von 30 bis 40m² angebracht.

Wir halten unsere fünfköpfige Zuchtgruppe der Griechischen Landschildkröte (Testudo hermanni boettgeri) auf einer Fläche von ca. 60m². Zusätzlich steht ein 5m² großes Gewächshaus zur Verfügung.

Bodenbeschaffenheit

Die Böden im natürlichen Lebensraum sind sehr kalksteinhaltig, karg und steinig, sodass das Wasser bei Regengüssen wieder schnell absickert. Futterpflanzen wachsen nur spärlich und sind ausschließlich im Frühjahr und Herbst täglich vorhanden. Im Sommer ist der Großteil der Vegetation vertrocknet, sodass oftmals nur Gräser und wenige Wildpflanzen als Nahrung zur Verfügung stehen.

Mediterrane Landschildkröten

Für die Aufbereitung des Bodens wurde zunächst die Rasenfläche heruntergemäht. Dann wurde der gesamte Boden etwa 20cm tief umgegraben und Hügel und Senken geformt. Anschließend wurde die Erde mit Flußsand und Kalksplitt aus einem Kalksteinwerk (alternativ kann auch Dolomitkalk verwendet werden) vermischt und nochmals gut umgegraben. Erst dann wurde mit der Bepflanzung begonnen.

Bepflanzung

Die Bepflanzung der Freilandanlage spielt eine wichtige Rolle, denn es müssen geeignete Futterpflanzen vorhanden sein, welche den Landschildkröten eine gesunde Ernährung und dadurch ein naturnahes Wachstum ermöglichen.

Mediterrane Landschildkröten

Futterpflanzen

Bei der Auswahl der Futterpflanzen ist darauf zu achten, dass den Tieren möglichst wenige proteinhaltige Pflanzen, sondern vorwiegend ausgewachsene, ballaststoffreiche/rohfaserreiche, vitaminreiche und mineralstoffreiche (v.a. calciumreiche!) Wildkräuter zur freien Aufnahme zur Verfügung stehen.

Eine Auflistung geeigneter Futterpflanzen finden Sie unter Ernährung.

Busch- und Strauchpflanzen

Neben den richtigen Futterpflanzen, benötigen Landschildkröten natürlich auch einige Busch- und Strauchpflanzen, unter denen sie Schatten und Schutz finden.

Mediterrane Landschildkröten

Hier empfehlen sich vor allem Pflanzen, die auch im natürlichen Lebensraum der Tiere vorkommen und somit etwas mediterranen Flair erzeugen. In unseren Freigehegen wurden u.a. Lavendel, Salbei, Ginster, , Hibiskus, Feuerlilien, Taglilien, Rosmarin, Thymian, Oregano, Basilikum, Fetthennen, Ysop und gepflanzt.

Besonderheit bei Jungtieren

Die Freilandanlage für junge Landschildkröten sollte wesentlich dichter bewachsen sein, als die der ausgewachsenen Tiere. Denn im natürlichen Lebensraum halten sich Landschildkröten bis zu einem Alter von etwa 3 bis 4 Jahren vorwiegend in dichtem Gestrüpp (der Macchia) und hohem Bewuchs auf, um sich möglichst keiner Gefahr auszusetzen. Offene Flächen werden gemieden. Gerade Schlüpflinge sind für größere Vögel sehr leichte Beute – dies sollte auch bei uns im heimischen Garten nicht unterschätzt werden! Aber auch die heißen Sonnenstrahlen im Sommer können den kleinen Körpern von Jungtieren schnell gefährlich werden. Daher muss unbedingt darauf geachtet werden, dass die Freilandanlage für Jungtiere überwiegend dicht bewachsen ist. Freie und offene Flächen sollten nur etwa ein Drittel des Freigeheges ausmachen. Dies reicht für junge Landschildkröten vollkommen aus, um sich hier auf die nötige Stoffwechseltemperatur zu erwärmen. Bitte beachten Sie außerdem, dass bei Jungtieren bis zu einem Gewicht von ca. 300 Gramm ein Schutz gegen Vögel notwendig ist. D. h., es sollte ein Netz o. Ä. über dem Gehege angebracht werden.

Ablagehügel für Weibchen

Mediterrane Landschildkröten

Weibchen nutzen bevorzugt sandige und vollsonnige Plätze für die Ablage der Eier. Da ein Weibchen allerdings nicht zwangsläufig den mühevoll errichteten Ablagehügel annimmt, sondern vielleicht lieber auf einen anderen Platz ausweichen möchte, sollten am besten mehrere und etwas unterschiedlich strukturierte Hügel errichtet werden.

Die von uns errichteten Hügel bestehen aus einem 50:50-Gemisch aus humoser Gartenerde und Spielsand um eine optimale Grabfähigkeit zu gewährleisten. Der Hügel selbst sollte nicht zu stark bepflanzt werden, damit ihn die Sonne jederzeit bestrahlen kann. Lediglich rundherum wurden von uns einige Pflanzen als Sichtschutz angebracht, denn Männchen sollten die Weibchen bei einer Ablage auf keinen Fall stören können. Viele Weibchen setzen sich auch bevorzugt auf eine Pflanze, um direkt darunter ihre Höhle zur Eiablage zu graben. Dies hat den Vorteil, dass die Eier durch die Wurzeln der Pflanze vor Starkregen und Nesträubern geschützt sind.

Versteck- und Klettermöglichkeiten

Mediterrane Landschildkröten

Neben den Büschen und Sträuchern haben wir noch einige Äste, Wurzeln, Baumstämme und Steine in das Gehege intergriert.

So werden natürliche Barrieren und Sichthindernisse geschaffen.

Und die Tiere können sich jederzeit aus dem Weg gehen.

Wasserstelle und Futterplatz

Einen festen Futterplatz halte ich für unnötig, da sich die Tiere selber Futter suchen können und auch sollten. Man muss bedenken, dass Landschildkröten als Weidegänger bezeichnet werden können und somit ständig an einer anderen Stelle Nahrung aufnehmen. Ein fester Futterplatz wäre unnatürlich, denn der größte Teil der aufgenommene Nahrung sollte wieder in Bewegung umgesetzt werden.

Eine Trink- und Badeschale muss in jedem Fall vorhanden sein, damit die Tiere jederzeit Wasser aufnehmen und sich an heißen Tagen auch mit einem Bad abkühlen können. Daher sollte die Wasserstelle auch im Schatten platziert werden. Dies hat außerdem den Vorteil, dass sich Keime in kühlem Wasser nicht so schnell vermehren können, als in warmem Wasser. Das Wasser muss selbstverständlich täglich frisch angeboten und die Schale dabei gesäubert werden.

Gehegeumrandung

Bei der Einfriedung des Geheges in darauf zu achten, dass man kein Materialien verwendet, an denen sich die Tiere verletzen könnten. Damit meine ich spitze Ecken, scharfe Kanten oder Splitter. Auch größere Schlitze sollte es nicht geben, da die Tiere dort leicht mit ihren Krallen hängen bleiben und sich Verletzungen zuziehen können.

Die Höhe sollte bei Jungtieren 25cm nicht unterschreiten um einem Überklettern vorzubeugen – gerade in den Ecken treffen meist mehrere Tiere aufeinander und könnten so leichter über die Umrandung klettern. Desweiteren sollten sich keine Busch- oder Strauchpfanzen direkt an der Gehegeumrandung befinden, da schon so manch ein Tier diese als Brücke benutzt hat, um über die Umrandung zu gelangen.

Geeignete Umrandungen wären zum Beispiel:

Holzpalisaden

Mediterrane Landschildkröten

Pro + Schön anzusehen und natürlich
Contra – Verrotten relativ schnell (nach 2-4 Jahren)

Holzbretter

Mediterrane Landschildkröten

Pro + Leicht zu errichten, als Geländer nutzbar
Contra – Verrotten im Erdreich relativ schnell (nach 2-4 Jahren)

Pflanzsteine / Pflanzringe

Mediterrane Landschildkröten

Pro + Bepflanzbar, leicht aufzustellen und zu versetzen, verrotten nicht
Contra – Rauhe Oberfläche, sodass es evtl. zu Panzerverletzungen kommen könnte

Mauer aus Naturstein

(C) Wolfgang Wegehaupt

Pro + Schön anzusehen, verrotten nicht
Contra – Nicht wieder zu versetzen, mühevoll zu errichten

Einige Halter und Züchter schreiben, dass eine Einlassung von über 30cm in den Boden nötig sei, um ein Untergraben zu verhindern. Ich konnte meine Tiere allerdings noch nie dabei beobachten, dass sie versucht haben, sich unter der Umrandung durchzugraben. Wenn das Gehege groß genug ist und entsprechend strukturiert wurde, versuchen die Tiere meiner Meinung nach auch nicht auszubrechen.

Gewächshaus für Landschildkröten

Mediterrane Landschildkröten

Die Gewächshaus-Schutzhütte ist am sonnigsten Platz des Freigeheges platziert. Näheres erfahren Sie auf der eigenen Seite.

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