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Stand: 09.08.2009

Wissenswertes über Schildkröten

Bereits seit etwa 250 Millionen Jahren, als es noch keine Säugetiere, Vögel, Schlangen oder Krokodile gab, bevölkerten Schildkröten mit vollständig ausgeformten Panzern als Zeitgenossen der Dinosaurier die Erde.

Was ist überhaupt eine Schildkröte?
Schildkröten gehören neben den Krokodilen (Crocodylia), den Schnabelköpfen (Rhynchocephalia) und den Schuppenkriechtieren (Squamata) zur Klasse der Reptilien (Reptilia).

Was macht ein Reptil eigentlich aus?
Reptilien atmen über Lungen, haben trockene Schuppenhaut, ein lebenslanges Wachstum (sind also theoretisch gesehen niemals ausgewachsen), kommen mit allem Überlebenswichtigen auf die Welt und sind sofort auf sich allein gestellt, haben kein Larvenstadium, befruchten sich innerlich und sind wechselwarm (poikilotherm).

Thermoregulation der Schildkröte
Da Schildkröten zu den wechselwarmen (poikilothermen) Tieren gehören, können sie ihre Körpertemperatur nicht (wie Säuger) selber regeln, sondern sind auf die Umgebungstemperatur und vor allem die wärmende Sonne angewiesen. Die Körpertemperatur passt sich also der Umgebungstemperatur an, wie folgendes Diagramm deutlich macht:

<Man sieht deutlich, dass die Körpertemperatur der Säugetiere konstant bleibt, die der Schildkröten hingegen, sich an die Umgebungstemperatur anpasst.

Wie erwärmen sich Schildkröten?
Das Aufwärmen wird in der Natur durch die Sonne ermöglicht. Schildkröten positionieren sich beim Sonnenbad optimal unter der Wärmequelle. Dabei strecken sie die Extremitäten von sich, sodass sie eine möglichst große Fläche zum "tanken" der Wärme nutzen können. Einige Schildkrötenarten (die meist aus höheren und somit kühleren Regionen kommen) machen sich zusätzlich ihre dunkle Färbung zu Nutzen, denn dunkle Flächen erwärmen sich schneller als helle Flächen.
Die Vorzugstemperatur, bei der alle lebenswichtigen Vorgänge im Körper (wie z. B. der Stoffwechsel) optimal ablaufen, liegt bei Schildkröten zwischen 35°C und 37°C. Damit sich die Tiere auf diese Temperatur erwärmen können, ist eine lokale Aufwärmmöglichkeit von ca. 40°C erfoderlich.
Man unterteilt die Körpertempemteratur in verschiedene Sektoren (siehe rechts).
Alle Temperaturen, die außerhalb der Toleranzgrenze liegen, sind für die Schildkröten auf Dauer eine Gefahr. Die Spanne zwischen Vorzugstemperatur und unterer Toleranzgrenze ist wesentlich größer als die Spanne zwischen Vorzugstemperatur und oberer Toleranzgrenze.

Der Panzer bildet das entscheidende anatomische Charakteristikum der Schildkröten, die mit dem biologischen Namen Testudines als eine Ordnung zusammengefaßt wird. Kein anderes Wirbeltier hat einen derartigen Schutzpanzer entwickelt. Der zweiteilige Schildkrötenpanzer besteht aus 59-61 Knochen, ist also ein Teil ihres Skeletts. Rücken- und Bauchschild sind beiderseits durch vom Bauchschild ausgehende Knochenbrücken verbunden. Die Knochen des Rückenschildes gehen aus den obersten (dermalen) Schichten der Haut hervor. Meistens ist der Panzer mit Hornschildern, seltener mit einer lederartigen Haut bedeckt. Der Bauchschild wird von bestimmten Knochen des Schultergürtels (Schlüsselbein und Zwischenschlüsselbein) und den Bauchrippen gebildet. Die Bauchrippen kommen sonst nur noch bei den Krokodilen und Brückentieren vor und belegen die nahen Verwandtschaftsbeziehungen dieser Tiergruppen.

Dieser schützende Panzer hat den Schildkröten über viele Erdzeitalter hinweg das Überleben gesichert, ist aber auch die Ursache für ihre geringe Vielfalt an Formen. Der Schutz durch den Panzer ist nahezu perfekt. Beispielsweise kann die Griechische Landschildkröte Kopf und Beine vollständig in ihren Panzer einziehen, während nur die derbe und beschuppte Haut der Beine nach außen zeigt. Die Dosenschildkröte kann sogar den quergeteilten Bauchpanzer zugbrückenartig vorne und hinten hochziehen und ist damit vollständig "dicht" in ihrem Panzer verpackt. Diese Arten zählen zu den Halsbergern (sie können also ihren Hals vollständig im Panzer verbergen). Daneben gibt es noch Halswender, wie z. B. die Schlangenhalsschildkröte, die ihren Hals und Kopf nur seitlich unter den Panzer anziehen können.

Zwischen den einzelnen Panzerschilden, dort, wo sich beim Wachstum der Schildkröten helle Zonen bilden, ist die Knochenhaut der Tiere jedoch völlig ungeschützt. Sie ist hoch empfindlich für Schmerzen!. An diesen oft fälschlich als "Jahresringe" bezeichneten Wachstumsringen lässt sich nicht das Alter einer Schildkröte ablesen. Sie geben lediglich Auskunft über die Wachstumsschübe des Panzers. Grob lässt sich das Alter einer Schildkröte anhand ihrer Größe abschätzen. In der Regel hat eine Schildkröte nach drei Jahren ein Drittel ihrer Endgröße erreicht, nach weiteren drei Jahren zwei Drittel. Dies ist jedoch nur eine grobe Abschätzung, da das Größenwachstum der Tiere sehr stark von ihren Lebensbedingungen abhängt und mit zunehmendem Alter stark abnimmt.

Die ursprünglichen Schildkröten zeigten eine ausschließlich amphibische Lebensweise, d. h., sie waren immer auf Wasser als einen Lebensbereich angewiesen. Einige Schildkrötengruppen haben sich jedoch zu vollkommenen Landbewohnern entwickelt. Sie verbreiteten sich in Wäldern, Grasländern und Wüsten. Sie werden mit insgesamt 41 verschiedenen Arten heute als eine eigene Schildkrötenfamilie zusammengefaßt, die Landschildkröten oder Testudinidae. Sie leben auf allen großen Landmaßen außer Australien und der Antarktis in den Tropen und Subtropen. Die größte Landschildkröte ist die Seychellen-Riesenschildkröte (Testudo gigantea) mit einer Länge von bis zu 140 cm und einem Gewicht bis zu 250 kg.

Welche Arten gehören zu den mediterranen Landschildkröten?

Im mediterranen Raum kommen 5 Landschildkröten-Arten vor:

  • Testudo graeca (Maurische Landschildkröte)
  • Testudo hercegovinensis (Dalmatinische Landschildkröte)
  • Testudo hermanni (Griechische Landschildkröte)
  • Testudo kleinmanni (Ägyptische Landschildkröte)
  • Testudo marginata (Breitrandschildkröte)



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