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Stand: 07.06.2009

Griechische Landschildkröte
Testudo hermanni (Gmelin, 1789)

Die Griechische Landschildkröte ist die am häufigsten in menschlicher Obhut anzutreffende Art. Sie erreicht eine Panzerlänge von durchschnittlich 20 cm und zählt somit zu den kleinen bis mittelgroßen Landschildkröten. Ihr natürliches Vorkommen erstreckt sich über den europäischen Mittelmeerraum.

Inhaltsverzeichnis

  1. Wissenschaftliche Einordnung (Taxonomie)
  2. Erscheinungsform / Merkmale der Art (Habitus)
    1. Rückenpanzer (Carapax)
    2. Bauchpanzer (Plastron)
    3. Kopf (Caput)
    4. Vordergliedmaßen
    5. Hintergliedmaßen
    6. Schwanz (Cauda)
    7. Jungtiere
  3. Unterarten (Subspecies)
    1. Östliche Unterart (Testudo hermanni hermanni)
    2. Westliche Unterart (Testudo hermanni boettgeri)
  4. Unterscheidung der Geschlechter (Sexualdimorphismus)
    1. Weibchen
    2. Männchen
  5. Statistik/Wissenswertes
    1. Allgemeines
    2. Fortpflanzung
    3. Winterstarre (Hibernation)
1. Wissenschaftliche Einordnung der Art (Taxonomie)

Klasse: Reptilia (Reptilien)
Ordnung: Testudines (Schildkröten)
Unterordnung: Cryptodira (Halsberger)
Familie: Testudinidae (Landschildkröten)
Gattung: Testudo (Paläarktische Landschildkröten)
Art: Hermanni (Griechische Landschildkröte)

2. Erscheinungsform / Merkmale der Art (Habitus)

2.1. Rückenpanzer (Carapax)

Der Rückenpanzer (Carapax) der Griechischen Landschildkröte ist je nach Unterart und Lokalform mäßig bis stark gewölbt und weist seitlich gesehen eine semiovale Form auf.

Im Bereich des langgezogenen und schmalen Nackenschildes (Cervicale) befindet sich eine schwache Einbuchtung.

Die trapezförmigen Wirbelschilde (Vertebralia) sind mit Ausnahme des fünften Schildes etwa genauso breit wie lang.

Das fünfte bzw. letzte Wirbelschild (Vertebrale) ist länger ausgebildet und mit einer mehr oder weniger ausgeprägten Schlüssellochzeichnung versehen, welche besonders bei der westlichen Unterart Testudo hermanni hermanni kontrastreich dargestellt ist.

Das Schwanzschild (Supracaudale) ist in den meisten Fällen vertikal geteilt...

...kann jedoch bei manchen Exemplaren auch ungeteilt sein.

Die Grundfärbung der Griechischen Landschildkröte variiert stark. Möglich sind die Farben Beige, Ocker, Postgelb und Korngelb.

Auf den einzelnen Schilden befinden sich je nach Unterart und Lokalform Zeichnungen in verwaschenem Braun oder kräftigem Schwarz.

Die Rippenschilde (Costalia) sind in einem nach hinten gerichteten Streifen frei von Zeichnungen, d. h. der Schwerpunkt der Zeichnungen liegt im mittleren und vorderen Bereich der Schilde.

2.2. Bauchpanzer (Plastron)

Typisch für die Griechische Landschildkröte ist eine längsgerichtete und dunkel gefärbte Bänderung, welche je nach Unterart durchgehend vorhanden oder mehr oder weniger unterbrochen ist.

Der Plastron von Testudo hermanni ist starr und weist kein Scharnier auf.

Auf jeder Seite befinden sich ein schmales Axelschild (Axillare) und in der Regel auch ein dreieckiges Hüftschild (Inguinale).

2.3. Kopf (Caput)

Der Kopf der Griechischen Landschildkröten weist von oben (dorsal) gesehen eine ellipsenähnliche Form auf. Die Nase steht dabei etwas hervor.

Die Grundfarbe des Kopfes ist meist grau-schwarz. Die Wange sowie der Nackenbereich können je nach Unterart und Lokalform mehr oder weniger mit Gelb- oder Grünanteilen versehen sein.

2.4. Vordergliedmaßen



Die vorderen Gliedmaßen sind kräftig ausgebildet und mit kleinen bis mittelgroßen Hornschuppen versehen. Die Hornschuppen enthalten in der Regel die gleichen Färbungen wie die, des Panzers. D. h. gelbe Hornschuppen sind ebenso vorhanden wie grau-braune und schwarze Hornschuppen.
Die nach innen gerichtete (mediale) Seite ist jedoch stets heller/gelber gefärbt als die äußere (laterale) Seite.

Testudo hermanni besitzt an den Vordergliedmaßen fünf Krallen, wobei die sog. Daumenkralle oft nur rudimentär ausgebildet ist oder gänzlich fehlt.

2.5. Hintergliedmaßen

Wie bei allen an landlebenden Schildkröten ähneln auch die Hintergliedmaßen der Griechischen Landschildkröte anatomisch und augenscheinlich den Gliedmaßen der Elefanten. Sie sind eher plump aber dennoch feinfühlig (subtil).

Mit Hilfe der Hintergliedmaßen sind die weiblichen Tiere in der Lage, die Eigrube auszuheben und anschließend die abgesetzten Eier mit viel Feingefühl exakt zu positionieren. Nach Beendigung der Ablage wird die Eigrube wieder sorgfältig verschlossen.

Die Unterseite des Hinterfußes ist mit mittelgroßen, teils nach unten abstehenden Schuppen versehen. Der Bereich zwischen Oberschenkel und Schwanzansatz ist mit vergrößerten Schuppen bedeckt.

An den Hintergliedmaßen besitzt die Griechische Landschildkröte vier Krallen.

2.6. Schwanz (Cauda)

Die Griechische Landschildkröte besitzt am Schwanzende einen stark verhornten Fortsatz (Schwanzendnagel), welcher besonders bei männlichen Exemplaren extrem ausgeprägt ist. Die gesamte Schwanzbasis ist bei männlichen Individuen stark bemuskelt und im Vergleich zu den Weibchen um ein Vielfaches massiger.

Hornkegel zwischen Oberschenkel und Schwanzansatz (Merkmal von Testudo graeca) sind bei Testudo hermanni nicht vorhanden.

2.7. Jungtiere

Jungtiere von Testudo hermanni sind im Vergleich zu adulten Exemplaren noch deutlich kontrastreicher gefärbt.

Sowohl die hellen, als auch die dunklen Zeichnungen setzen sich auffallend vom Rest der Färbung ab. Bei der westlichen Unterart hält dieser Kontrast auch im hohen Alter an.

3. Unterarten (Subspecies)

Derzeit wird die Griechische Landschildkröte (je nach Auffassung) in 2-3 Unterarten eingeteilt, wobei die Dalmatinische Landschildkröte (Testudo hercegovinensis) wohl eher als eigenständige Art anzusehen ist und deshalb auf dieser Seite separat beschrieben wird (siehe hier!).

3.1. Italienische Landschildkröte (Testudo hermanni hermanni)


Copyright © Foto: Stefan Kundert

Die westliche Unterart ist hoch gewölbt und weist eine intensive, meist postgelbe Grundfärbung auf. Die einzelnen Schilde sind mit kräftigen, dunkelbraunen bis schwarzen Zeichnungen versehen, die deutlich vom Rest des Panzers abstechen.

Die Körperlänge liegt bei weiblichen Exemplaren bei 14 bis 21 cm; bei Männchen 12 bis 16 cm. Das Gewicht liegt bei 650 bis 1200 g (Weibchen) bzw. 350 bis 650 g (Männchen).

Der Bauchpanzer von Testudo hermanni hermanni ist mit zwei durchgehenden, schwarzen Längsbändern versehen. Die Kehlschilde sind stets ohne Schwarzfärbung. Die Zwischennaht der Brustschilde (Pectoralia) ist kürzer als die Zwischennaht der Schenkelschilde (Femoralia).

Ein weiteres Merkmal ist die sogenannte Schlüssellochzeichnung auf dem fünften Wirbelschild, wobei dieses Merkmal auch einige Vertreter der östlichen Unterart aufzeigen, jedoch selten so deutlich abgesetzt.


Copyright © Foto: Stefan Kundert

Die Wange von Testudo hermanni hermanni ist mit dem gelb leuchtenden Wangenfleck (Subokularfleck) versehen.

3.2 - Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni boettgeri)

Die östliche Unterart ist mäßig hoch gewölbt und ocker bis korngelb gefärbt. Die Zeichnungen der einzelnen Schilde sind in der Regel spärlicher als bei Testudo hermanni hermanni und gehen eher weich in die Grundfärbung über.


Copyright © Foto: Alessandro Fornetti (GNU-Lizenz)

Es sind Exemplare bekannt, die eine fast einfarbige Färbung aufweisen, so wie dieses Exemplar aus Bulgarien. Aber auch eine fast komplett schwarze Färbung ist möglich.

Die Panzerlänge liegt mit 16 bis 26 cm (Weibchen) bzw. 13 bis 21 cm (Männchen) höher als bei der westlichen Unterart. Das Gewicht schwankt bei Weibchen zwischen 1100 und 3000 g, bei Männchen zwischen 600 und 1850 g.

Bei der östlichen Unterart sind die Bänder nicht durchgehend vorhanden, sondern vielmehr zerrissen und verschwommen oder bei manchen Exemplaren fehlt sie gänzlich. Die Zwischennaht der Brustschilde (Pectoralia) ist in der Regel länger als die Zwischennaht der Schenkelschilde (Femoralia) - also genau umgekehrt.

Die Schlüssellochzeichnung ist bei Testudo hermanni boettgeri entweder gar nicht vorhanden oder nur angedeutet/verschwommen, jedoch nie so deutlich wie bei Testudo hermanni hermanni.

Die östliche Unterart weist entweder gar keinen oder nur schwach gefärbten Wangenfleck auf.

4. Unterscheidung der Geschlechter (Sexualdimorphismus)

4.1. Weibchen


Eben geformter Bauchpanzer (Plastron)


Insgesamt deutlich größer


Von oben gesehen: eher gleichmäßige Breite


Afterschilde (Analia) etwa genauso breit wie lang; kurzer Schwanz; Kloakenöffnung eher körpernah (proximal) und kreisrund

4.2. Männchen


Nach innen gewölbter (konkaver) Bauchpanzer (Plastron)


Insgesamt deutlich kleiner; Panzer ist hinten deutlich breiter und die Randschilde (Marginalia) oft gezahnt


Wulstartige Ausbildung am Hinterhaupt und kräftigere Unterkiefermuskulatur


Afterschilde (Analia) breitgezogen und schmaler; längerer Schwanz; Kloakenöffnung eher körperfern (distal) und schlitzförmig

5. Statistik/Wissenswertes

5.1. Allgemeines

WA-Status:
Washingtoner Artenschutz-übereinkommen

Anhang II (durch den internationalen Handel stark gefährdete Arten)

EU-Anhang:
EG-Verordnung 338/97

Anhang A (vom Aussterben bedrohte Arten)

Terra typica:
Fundort des Exemplars, welches der Erstbeschreibung diente.

Testudo hermanni hermanni: Collobrières, Var, Frankreich
Testudo hermanni boettgeri: Ors,ova, Tal des Cerna, Banat

Holotypus:
Einzelnes Exemplar, auf dem die Beschreibung der Art basiert.

Testudo hermanni hermanni: Museum der Zoologie, Universität Straßburg, MZUS 121

Namensherkunft:

Testudo hermanni hermanni: Jean Hermann (1738-1800), Straßburg
Zoologe, Botaniker, Mediziner, Chemiker und Philosoph
Testudo hermanni boettgeri: Oskar Böttger (1844–1910), Frankfurt
Herpetologe

Ernährung:

pflanzlich (herbivor)

Lebenserwartung:

60-80 Jahre (Habitat)
>/= 100 Jahre (Gefangenschaft)

Habitat:

Garrigue, Macchia, Grasebenen

Temperatur (max.):

40° C

Temperatur (min.):

3° C

5.2. Fortpflanzung

Hauptpaarungszeit:

Frühling (März, April)

Gelegeanzahl:

1-3 pro Jahr

Gelegegröße:

1-9 Eier pro Gelege

Dauer der Eiablage:

insg. 60-90 min

Form der Eier:

leicht oval

Größe der Eier:

33-51 mm

Gewicht der Eier:

14-24 g

Inkubationsdauer:

56-69 Tage (künstlich) bzw. 80-110 Tage (natürlich)

5.2. Winterstarre (Hibernation)

Temperatur:

4,5-6,5° C

Dauer:

3-5 Monate (je nach Herkunft)



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