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Stand: 08.06.2009

Breitrandschildkröte
Testudo marginata (Schoepf, 1792)


Copyright © Foto: http://www.herpshots.de

Die Breitrandschildkröte ist mit bis zu über 30 cm Panzerlänge die größte Landschildkröte Europas. Sie ist die einzige Art unter den Testudo sp., bei der die männlichen Exemplare meist größer als die weiblichen Tiere werden. Ihr Vorkommen erstreckt sich über Teile Italiens, Inseln des Mittelmeers (v.a. Sardinien), die südlichen Balkanhalbinseln (dort hauptsächlich Griechenland) sowie auf mehrere Inseln im Ägäischen Meer. Italienische Populationen gelten jedoch als vom Menschen eingeschleppt.

Die deutsche Bezeichnung "Breitrandschildkröte" wurde aufgrund der hinteren Randschilde (Marginalia) gewählt, welche deutlich aufgebogen bzw. verbreitert sind.

Inhaltsverzeichnis

  1. Wissenschaftliche Einordnung (Taxonomie)
  2. Erscheinungsform / Merkmale der Art (Habitus)
    1. Rückenpanzer (Carapax)
    2. Bauchpanzer (Plastron)
    3. Kopf (Caput)
    4. Vordergliedmaßen
    5. Hintergliedmaßen
    6. Schwanz (Cauda)
    7. Jungtiere
  3. Unterscheidung der Geschlechter (Sexualdimorphismus)
    1. Weibchen
    2. Männchen
  4. Statistik/Wissenswertes
    1. Allgemeines
    2. Fortpflanzung
    3. Winterstarre (Hibernation)
1. Wissenschaftliche Einordnung der Art (Taxonomie)

Klasse: Reptilia (Reptilien)
Ordnung: Testudines (Schildkröten)
Unterordnung: Cryptodira (Halsberger)
Familie: Testudinidae (Landschildkröten)
Gattung: Testudo (Paläarktische Landschildkröten)
Art: Marginata (Breitrandschildkröte)

2. Erscheinungsform / Merkmale der Art (Habitus)

2.1. Rückenpanzer (Carapax)


Copyright © Foto: P. Friesleber

Der Rückenpanzer (Carapax) der Breitrandschildkröte ist langgestreckt, nur mäßighoch gewölbt und weist seitlich gesehen eine semiovale Form auf.


Copyright © Foto: Richard Mayer (GNU-Lizenz)

Die Form des Panzers erinnert von oben (dorsal) gesehen an die Form eines Feuerwehrhelms. In der Mitte befindet sich eine deutliche Verengung (Taillierung). Die hinteren Marginalia sind stark nach außen aufgebogen und oft (besonders bei Männchen) gezahnt. Im Bereich des langgezogenen und schmalen Nackenschildes (Cervicale) befindet sich eine mäßige Einbuchtung. Die trapezförmigen Wirbelschilde (Vertebralia) sind, wie bei der Maurischen Landschildkröte (Testudo graeca) ebenfalls seitwärts (lateral) verbreitert.


Copyright © Foto: Bastian Esser

Das Schwanzschild (Supracaudale) ist stets ungeteilt.


Copyright © Foto: http://www.herpshots.de

Die Grundfärbung des Panzers geht bei der Breitrandschildkröte ins sand-, ocker- oder hornfarbene. Auf den einzelnen Schilden befinden sich kräftige, braun bis schwarze Zeichnungen, die im Laufe der Alterung stetig an Größe und Intensität gewinnen.


Copyright © Foto: Wolfgang Wegehaupt

Bei älteren Exemplaren bleibt je Schild lediglich ein kleiner, grundfarbener Fleck zurück, so wie bei diesem sehr schönen, männlichen Tier auf Sardinien.

2.2. Bauchpanzer (Plastron)

Der gesamte Plastron ist im Verhältnis zum Rückenpanzer (Carapax) kleinflächiger ausgebildet.


Copyright © Foto: Francesco Trimigliozzi (GNU-Lizenz)

Auf dem ocker- bis hornfarbenen Plastron befindet je Schild eine schwarze, schwanzwärts (kaudal) gerichtete Dreieckszeichnung. Die Kehlschilde (Gularia) sind in der Regel frei von Zeichnungen. Der hintere Bauchpanzerlappen ist ab den Schenkelschilden (Femoralia) mit einem schwach beweglichen Scharnier ausgestattet.

2.3. Kopf (Caput)


Copyright © Foto: P. Friesleber

Der Kopf der Breitrandschildkröten weist von oben (dorsal) gesehen eine ellipsenähnliche Form auf. Die Nase steht dabei etwas hervor.


Copyright © Foto: Bastian Esser

Die Kopf weist eine ockerfarbene bis schwarze Färbung auf und trägt bei jüngeren Exemplaren helle Schuppen über der Nase.

2.4. Vordergliedmaßen

Die vorderen Gliedmaßen sind kräftig ausgebildet und mit mittelgroßen bis großen Hornschuppen besetzt. Diese enthalten in der Regel die gleichen Färbungen wie die, des Panzers. D. h. sand- bis ockerfarbene Hornschuppen sind ebenso vorhanden wie braun-schwarze.

Testudo marginata besitzt an den Vordergliedmaßen fünf Krallen, wobei die sog. Daumenkralle oft nur rudimentär ausgebildet ist oder gänzlich fehlt.

2.5. Hintergliedmaßen


Copyright © Foto: Richard Mayer (GNU-Lizenz)

Wie bei allen an landlebenden Schildkröten ähneln auch die Hintergliedmaßen der Breitrandschildkröte anatomisch und augenscheinlich den Gliedmaßen der Elefanten. Sie sind eher plump aber dennoch feinfühlig (subtil).

Die Unterseite des Hinterfußes ist mit regelrechten Spornen versehen, welche nach hinten abstehen. Der Bereich zwischen Oberschenkel und Schwanzansatz ist mit vergrößerten Schuppen bedeckt, jedoch trägt die Breitrandschildkröte keine Hornkegel, wie sie bei Testudo graeca zu finden sind.

An den Hintergliedmaßen besitzt die Breitrandschildkröte vier Krallen.

2.6. Schwanz (Cauda)


Copyright © Foto: Bastian Esser

Der Schwanz der Testudo marginata ist eher unscheinbar und klein. Er weist auch keinen verhornten Fortsatz am (Schwanznagel) auf.


Copyright © Foto: Xaver Wapelhorst

Auffällig und einzigartig ist jedoch der schwarze Streifen auf der Hinterseite des Schwanzes.

2.7. Jungtiere


Copyright © Foto: Bastian Esser

Jungtiere sind im Allgemeinen heller gefärbt als adulte Exemplare; die dunklen Zeichnungen beschränken sich noch auf den vorderen (kranialen) Bereich der Schilde. Die hintere, obere Ecke der Rippenschilde (Costalia) ist noch frei von dunklen Zeichnungen.


Copyright © Foto: Wolfgang Wegehaupt

3. Unterscheidung der Geschlechter (Sexualdimorphismus)

3.1. Weibchen


Copyright © Foto: Bastian Esser

Eben geformter bis leicht nach innen gewölbter (konkaver) Bauchpanzer (Plastron)

Afterschilde (Analia) etwa genauso breit wie lang; kurzer Schwanz; Kloakenöffnung eher körpernah (proximal) und kreisrund


Copyright © Foto: http://www.herpshots.de

Meist kleiner als die Männchen; Panzer eher tonnenförmig


Copyright © Foto: Richard Mayer (GNU-Lizenz)

Von oben gesehen: nur leicht tailliert und nach hinten (caudal) ausladend

3.2. Männchen


Copyright © Foto: Carmen M. (GNU-Lizenz)

Nach innen gewölbter (konkaver) Bauchpanzer (Plastron)

Afterschilde (Analia) breitgezogen und schmaler; längerer Schwanz; Kloakenöffnung eher körperfern (distal) und schlitzförmig


Copyright © Foto: Bastian Esser

Meist größer als die Weibchen; Panzer stark tailliert und hinten ausladend, oft gesägt (rechts Männchen)

4. Statistik/Wissenswertes

4.1. Allgemeines

WA-Status:
Washingtoner Artenschutz-übereinkommen

Anhang II (durch den internationalen Handel stark gefährdete Arten)

EU-Anhang:
EG-Verordnung 338/97

Anhang A (vom Aussterben bedrohte Arten)

Terra typica:
Fundort des Exemplars, welches der Erstbeschreibung diente.

?

Holotypus:
Einzelnes Exemplar, auf dem die Beschreibung der Art basiert.

?

Namensherkunft:

Testudo marginata: wg. der ausladenden/breiten Randschilde (Marginalia)

Ernährung:

pflanzlich (herbivor)

Lebenserwartung:

ca. 60-80 Jahre (Habitat)
>/= 100 Jahre (Gefangenschaft)

Habitat:

steinige Hügellandschaften in Verbindung mit Macchia

Temperatur (max.):

40° C

Temperatur (min.):

4° C

4.2. Fortpflanzung

Hauptpaarungszeit:

Frühling (Februar-April)

Gelegeanzahl:

1-3 pro Jahr

Gelegegröße:

3-11 Eier pro Gelege

Dauer der Eiablage:

insg. 60-90 min

Form der Eier:

rund

Größe der Eier:

 

Gewicht der Eier:

 

Inkubationsdauer:

 

4.2. Winterstarre (Hibernation)

Temperatur:

5-6° C

Dauer:

3-4 Monate (je nach Herkunft)



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