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Herz-Kreislauf-System der Schildkröte

Das Herz-Kreislauf-System (Systema cardiovasculare) besteht aus dem Herz (Cor) und den Blutgefäßen. Seine Hauptaufgabe ist die Versorgung des Organismus mit Sauerstoff, Nährstoffen und Hormonen sowie die Entsorgung von Kohlendioxid und anderen Abbauprodukten.

Herz (Cor, Kardia) und Hauptgefäße

Herz einer Maurischen Landschildkröte (Testudo graeca). (C) Dominik Müller

Herz einer Maurischen Landschildkröte (Testudo graeca). (C) Dominik Müller

Schildkröten besitzen ein typisches Reptilienherz. Es liegt bauchseitig (ventral) im vorderen (cranialen) Drittel des Körpers und besteht aus dem rechtsseitig vorgeschalteten Venensammelpunkt (Sinus venosus), den zwei separaten Vorhöfen (linkes und rechtes Atrium) und der dreigeteilten Herzkammer (Ventriculus). Die Herzkammer ist bei Reptilien nur teilweise durch einen dünnen Muskelbalken voneinander getrennt. Eine vollkommene Trennung der Kammern, wie dies etwa bei uns Menschen durch die Herzscheidewand (Septum) der Fall ist, existiert bei Reptilien nicht. Trotzdem kommt es innerhalb der drei Unterkammern (Subventriculi), kaum zu einer Vermischung von venösem und arteriellem Blut. Grund dafür sind die exakt gesteuerten Kontraktionen des Herzmuskels mit Hilfe des Erregungsbildungs- und Erregungsleitungssystems, sowie die dadurch im Wechsel wirkenden Druckverhältnisse innerhalb der Unterkammern. Das Reptilienherz ist gegenüber dem Amphibienherz, in dem es stets zu einer Vermischung von venösem und arteriellem Blut kommt, wesentlich weiter entwickelt.

Blutfluss und Zirkulation

Das Blutvolumen beträgt bei Schildkröten je nach Alter, Geschlecht, Jahreszeit und Aktivität etwa 5 bis 7 % der gesamten Körpermasse.

Schematische Darstellung eines Reptilienherzens. (c) Dominik Müller

Schematische Darstellung eines Reptilienherzens. (c) Dominik Müller

Sauerstoffarmes Blut strömt über die vorderen zwei Hohlvenen (Venae cava cranialis) und der hinteren Hohlvene (Vena cava caudalis), welche vor allem das Blut der linken Lebervene (Vena hepatica sinistra) und der Nierenpfortader (Vena portalis renalis) enthält, zunächst in einen vorgeschalteten Venensammelpunkt (Sinus venosus). Von dort aus fließt das venöse Blut in den rechten Vorhof des Herzens.

Aus den Lungen tritt sauerstoffreiches Blut über die zwei Lungenvenen (Venae pulmonalis) in den linken Vorhof des Herzens ein.

Die Vorhöfe (Atrien) pumpen das Blut anschließend durch die Atrioventrikularklappen in die unvollständig dreigeteilte Herzkammer (Ventrikel). Bei Reptilien werden drei teilweise getrennte Abschnitte (Subventrikel) innerhalb der Hauptkammer unterschieden. Das Cavum venosum, Cavum arteriosum und das Cavum pulmonale. Innerhalb des Cavum venosum tritt die zweigeteilgte Aorta aus. Das über den linken Vorhof einströmende sauerstoffreiche Blut gelangt zum Cavum arteriosum. Das Cavum pulmonale leitet das Blut in die Lungenarterie (Arteria pulmonalis) weiter, wo es innerhalb der Lunge wieder mit Sauerstoff angereichert wird.

Die Hauptschlagader (Aorta) entspringt zweigeteilt am vorderen (cranialen) Teil des Herzens aus dem Cavum venosum. Von der linken Aorta entspringen jedoch direkt im Anschluss die große Baucharterie (Arteria coeliaca), die Eingeweidearterie (Arteria mesenterica cranialis) und die linke Magenarterie (Arteria gastrica sinistra). Am hinteren (caudalen) Ende des Herzens vereinigen sich schließlich die linke und rechte Aorta wieder zu einer Hauptaorta.

Besonderheit der Nierenpfortader (Vena portalis renalis)

Nieren, Nebennieren und Leber verfügen bei allen Reptilien über ein eigenes Pfortadersystem.


Klinischer Hinweis: Sollten bei Ihrer Schildkröte einmal eine Injektion (Spritze) notwendig werden, so ist unbedingt darauf zu achten, dass diese möglichst nicht in der hinteren Körperhälfte erfolgt, da sich das verabreichte Medikament sonst in sehr hoher Konzentration im Nierengewebe anreichert und zu irreperablen Schäden führen kann. Ausnahme: Wenn eine Wirkung innerhalb der Nieren beabsichtigt ist, so sollte die Injektion logischerweise in der hinteren Körperhälfte vorgenommen werden.


Lymphatisches System (Systema lymphaticum)

Mit Hilfes des lymphatischens Systems wird überschüssiges Wasser aus dem Körpergewebe wieder dem Blutkreislauf zugeführt. Diese Gewebsflüssigkeit enthält noch verwertbare Stoffe, sodass sie für den Körper wichtig ist.

Darstellung der Kapillaren innerhalb des Gewebes. (C) Dominik Müller

Darstellung der Kapillaren innerhalb des Gewebes. (C) Dominik Müller

Diese Ansammlung von Gewebsflüssigkeit kommt wie folgt zustande. Der Körper ist mit einem Netz feinster Gefäße (Rete capillare), die auch Kapillaren genannt werden, durchzogen. Aufgrund des osmotischen Drucks kommt es zum Austritt von Blutflüssigkeit. Diese Flüssigkeit durchtränkt das Körpergewebe und versorgt die einzelnen Zellen. Danach wird es teilweise wieder von Kapillaren aufgenommen. Da jedoch stets Flüssigkeit im Gewebe zurückbleibt, besitzt der Körper neben dem Blutkreislauf das sogenannte lymphatische System, welches sich u. a. aus vielen Lymphbahnen zusammensetzt. Diese Lymphbahnen nehmen die überschüssige Flüssigkeit (jetzt Lymphe genannt) aus dem Gewebe auf und transportieren sie zurück in den Blutkreislauf.

Bei Reptilien ist das Lymphsystem stärker entwickelt als das Venensystem. Lymphknoten sind nicht vorhanden, dafür stellt das lymphatische System jedoch ein enormes Geflecht an Bahnen und großen Sammelbecken (Zisternen) dar. Mit Hilfe soge. Lymphherzen, die sich unterhalb der hinteren Wirbelschilde befinden, wird das Lymphsystem angetrieben. Im Halsbereich wird die Lymphe schließlich in das Venensystem eingespeißt.


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