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Thermoregulation der Schildkröte

Reptilien sind wärmeliebend

Alle Reptilien sind poikilotherme (wechselwarme) und ektotherme Lebewesen. Das heißt, sie können ihre Körpertemperatur nur durch äußere Einflüsse regulieren. Deshalb sieht man sie auch als heliotherm (wärmeliebend) an. Die optimale Körperkerntemperatur (auch als Vorzugstemperatur bezeichnet) liegt bei Schildkröten je nach Art zwischen 25 und 38°C. Diese Vorzugstemperatur erreichen sie in der Natur in erster Linie durch das Aufsuchen der Sonne.

Aufnahme eines Europäischen Chamäleons (Chamaeleo chamaeleon) im natürlichen Lebensraum. © S. Schmidt und A. Mohr, herpshots.de

Aufnahme eines Europäischen Chamäleons (Chamaeleo chamaeleon) im natürlichen Lebensraum. © S. Schmidt und A. Mohr, herpshots.de

Steigt die Temperatur zu hoch, müssen die Reptilien Schatten aufsuchen oder sich in feuchten Bodengrund eingraben. Bestimmte Arten kühlen sich außerdem durch Verdunstungskälte, indem sie vermehrt Speichel bilden (Hypersalivation) oder Urin auf ihre Extremitäten  und den Plastron absetzen. Dieses Verhalten ist bei mediterranen Landschildkröten hingegen nur dann zu beobachten, wenn eine Überhitzung kurz bevorsteht. Dieser lebensbedrohliche Zustand kann rasch eintreten, wenn sie in der Sonne in Rückenlage gelangen.

Krokodile stellen die wohl imposantesten und zugleich gefährlichsten Vertreter der Reptilien dar. Das äußere Erscheinungsbild erinnert an eine längst vergangene Zeit.

Krokodile stellen die wohl imposantesten und zugleich gefährlichsten Vertreter der Reptilien dar. Das äußere Erscheinungsbild erinnert an eine längst vergangene Zeit.

Ihre Aktivität und ihr Verhalten richten sich ganz nach den äußeren Bedingungen. Scheint die Sonne bei entsprechenden Temperaturen, nehmen sie ein Sonnenbad und sind aktiv. Ist es kalt und bewölkt, sind sie nur sporadisch (gelegentlich) aktiv. Sinkt oder steigt die Temperatur über ein für Reptilien gefährliches Niveau, halten sie eine Ruhephase (Kälte- oder Hitzestarre). Mediterrane Landschildkröten halten in der Regel keine Sommerstarre, jedoch eine bis zu 4,5 Monate andauernde Kälte- oder Winterstarre.

Wie auf diesem Diagramm deutlich wird, hängt die Körperkerntemperatur der Reptilien stark von der Umgebungstemperatur ab, die der Säuger bleibt hingegen konstant bei ca. 36-38°C.

Wie auf diesem Diagramm deutlich wird, hängt die Körperkerntemperatur der Reptilien stark von der Umgebungstemperatur ab, die der Säuger bleibt hingegen konstant bei ca. 36-38°C.

Erlangen der Vorzugstemperatur

Damit sich ein Reptil aufwärmen kann, bedarf es einer äußeren Wärmequelle. In der Natur stellen die wärmenden Sonnenstrahlen diese Quelle dar. In menschlicher Obhut müssen wir jedoch zusätzliche Wärmequellen bieten, da die hier herrschenden Temperaturen und die gegebenen Sonnenstunden unseren sonnenhungrigen Reptilen nicht ausreichen.

Aufnahme einer Griechischen Landschildkröte (Testudo hermanni boettgeri) beim morgendlichen Sonnenbaden im natürlichen Lebensraum. © S. Schmidt und A. Mohr, herpshots.de

Aufnahme einer Griechischen Landschildkröte (Testudo hermanni boettgeri) beim morgendlichen Sonnenbaden im natürlichen Lebensraum. © S. Schmidt und A. Mohr, herpshots.de

Um ihre Vorzugstemperatur erlangen zu können, positionieren sich Reptilien optimal (meist vertikal) unter der gegebenen Wärmequelle. Dabei strecken sie außerdem die Extremitäten von sich, sodass eine möglichst große Fläche zum “Tanken” der Wärme ausgenutzt werden kann.

Aufnahme einer Europäischen Sumpfschildkröte (Emys orbicularis) beim Wärmetanken. © S. Schmidt und A. Mohr, herpshots.de

Aufnahme einer Europäischen Sumpfschildkröte (Emys orbicularis) beim Wärmetanken. © S. Schmidt und A. Mohr, herpshots.de

Einige Reptilien, die aus höheren und somit kühleren Regionen kommen oder die solche Arten, welche die Gewässer bewohnen, machen sich zusätzlich ihre dunkle Färbung zu Nutze,. Dunkle Körperflächen absorbieren die wärmenden Sonnenstrahlen effizienter als helle Flächen, welche die meisten Strahlen nur reflektieren.

Die sogenannte Vorzugstemperatur, bei der alle lebenswichtigen Vorgänge im Körper (gesamter Stoffwechsel) optimal ablaufen, liegt bei Schildkröten zwischen 36°C und 38°C. Damit sich die Tiere auf diese Temperatur erwärmen können, ist eine lokale Aufwärmmöglichkeit von ca. 40°C erforderlich.

Temperatur-Segmente

Die Körperkerntemperatur wird bei Landschildkröten in folgende Segmente eingeteilt:

Alle Temperaturen, die außerhalb der Toleranzgrenze liegen, sind für die Schildkröten auf Dauer eine Gefahr.

Die Spanne zwischen der Vorzugstemperatur und der unterer Toleranzgrenze ist wesentlich größer als die Spanne zwischen der Vorzugstemperatur und der oberer Toleranzgrenze.

Bei Temperaturen über 41-42°C verändert sich die Struktur der Eiweiße (Proteine) im Körper schadhaft (sie denaturieren), sodass es zu lebensbedrohlichen Schäden kommt.

Reptilien müssen zu jeder Zeit die Möglichkeit haben, zwischen kalten und warmen Bereichen zu wählen! Hält sich ein Reptil zu lange in der Sonne bzw. unter einer Wärmelampe auf und kann dieser nicht ausweichen, kann schnell der Hitzetod eintreten!

Biologische Rhythmen

“ALLES LEBEN UNTERLIEGT EINEM ZYKLUS VON RUHE UND AKTIVITÄT”

Chronobiologe Scott Campbell

Auch Schildkröte verfügen über eine “Innere Uhr”, die u. a. durch die Tageslänge oder die Sonnenintensität beeinflusst wird.

Folgende Stoffe und Hormone spielen in diesem Zusammenhang eine Rolle:

Vitamin D3 (ein Prohormon)

wird im Körper durch die Zufuhr von UV-B-Strahlung gebildet. Vit. D3 ist verantwortlich für die Regulierung des Calcium-Phosphor-Stoffwechsels und den Knochenaufbau, da es dem Körper ermöglicht, das mit der Nahrung aufgenommene Calcium im Knochengewebe einzulagern, sodass ein stabiles Skelett entstehen kann. Bei einem Mangel an Vit. D3 bzw. UV-B-Strahlung (also zu wenig Sonnenlicht), kommt es zu einer Erweichung von Skelett und Panzer (Rachitis). Außerdem ist Vit. D3 für Bildung verschiedener Hormone und Verhaltensweisen von Bedeutung. Der natürliche UV-B-Anteil im Sonnenlicht nimmt im Herbst stark ab und ist im Winter schließlich um ein Vielfaches geringer.

Serotonin (ein Neurotransmitter)

kommt im Gehirn und auch im Verdauungstrakt vor. Es wird auch als “Glückshormon” bezeichnet da ihm im Gehirn eine antidepressive Wirkung zugesprochen wird. Außerdem steigert es den Appetit, regt die Darmperistaltik an und hat Einfluss auf das Herz-Kreislauf-System. Serotonin steht mit Melatonin in Verbindung, welches den Tag-Nacht-Rhythmus regelt.

Melatonin (ein Hormon)

wird in der Zirbeldrüse (Epiphyse) aus Serotonin gebildet und steuert den Tag-Nacht-Rhythmus. Außerdem hat es Einfluss auf den Pigmentstoffwechsel (Farbstoff: Melanin).

Corticosteroide (Hormone)

werden in der Nebennierenrinde gebildet. Sie beeinflussen v. a. den Stoffwechsel durch Neubildung von Kohlenhydraten aus Proteinen und Fetten, sowie den Wasserhaushalt, das Herz-Kreislauf-System und das Nervensystem.

Die innere Uhr steuert den gesamten Aktivitätszyklus unserer Tiere, von Frühjahr bis Winter:

Ein Schildkrötenjahr im Überblick

Jahreszyklus der mediterranen Landschildkröten

Jahreszyklus der mediterranen Landschildkröten